Fertighaus und Massivhaus waren früher zwei Begriffe, die sich diametral entgegenstanden. Entweder man wollte ein Fertighaus bauen – von den Verfechtern der Massivbauweise oft abschätzig als „Pappendeckelhaus“ bezeichnet – oder man baute massiv, also Stein auf Stein. Eine „massive Fertigbauweise“ gab es vor allem bei Zweckbauten, die mit im Betonwerk vorgefertigten Betonfertigteilen arbeitete und sich nicht besonders für Wohnhäuser eignete.
In den 1970er Jahren tauchte dann der Begriff des Massiv-Fertighauses auf. Zunächst verstand man darunter eher so etwas wie ein in Massivbauweise erstelltes, schlüsselfertiges Haus, wobei das eigentlich „fertige“ daran der Preis war, denn der stand, wie bei einem Fertighaus, von vorne herein fest, genauso, wie auch die kompletten Roh- und Ausbaumaßnahmen im Paket gekauft wurden. Der Ausdruck Fertighäuser sollte wohl auch hauptsächlich signalisieren, dass es ein solches Haus zum Festpreis gab, was vorher nur bei Fertighäusern angeboten wurde. Solche Häuser gibt es auch heute noch, aber sie werden nicht mehr unter dem Etikett „Fertighaus“, sondern als schlüsselfertige Häuser verkauft.
Seit den 70er Jahren hat sich jedoch viel geändert. Gestiegene Arbeitskosten haben das traditionelle Mauern stark verteuert, auch wenn hier heute arbeitssparende Verfahren mit großformatigen Plansteinen, die in Dünnbettmörtel versetzt werden, zum Einsatz gelangen. Andererseits wurden Verfahren entwickelt, mit denen man massive Hauswände stark mechanisiert und entsprechend preisgünstig fabrikmäßig herstellen kann. Daher ist es heute möglich, Bauteile aus Massivbaustoffen wie Ziegel oder Porenbeton genauso vorzufertigen und auf der Baustelle zu montieren, wie man das mit solchen aus dem „klassischen“ Fertighaus-Baustoff Holz von jeher gemacht hat, man kann also auch durchaus ein Fertighaus massiv bauen.